Naturschutzgebiete um Grevesmühlen

NSG Kalkflachmoor und Tongruben bei Degtow

Größe:
61 ha

Schutzverordnung:
LVO zur einstweiligen Sicherung des künftigen Naturschutzgebietes „Kalkflachmoor und Tongruben bei Degtow“ vom 9. Mai 1994 (GVOBl. M-V 1994, S. 625).

Schutzzweck:
Sicherung, Erhalt und Entwicklung eines Kalk-Zwischenmoores mit einer Vielzahl geschützter und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.

Lage:
Das Kalkflachmoor liegt unmittelbar südöstlich der Kreisstadt Grevesmühlen zwischen der ehemaligen Ziegelei und dem Ortsteil Degtow in einer Höhe von 21-43 m NN und gehört zur Landschaftseinheit "Westliches Hügelland mit Stepenitz und Radegast".

Geologie und Wasserhaushalt:
Die Hohlform, in der heute das Schutzgebiet liegt, ist auf eine eiszeitliche Schmelzwasserabflussrinne zurückzuführen. Nach dem Abschmelzen des Eises bildete sich ein offenes Gewässer mit intensiver Kalksedimentation, die auf den Reichtum an Kalk- und Kreidegeschiebe in der Pommerschen Grundmoräne zurückzuführen ist. Nachdem die Senke weitgehend mit Kalkmudde aufgefüllt war, kam es zur Bildung eines Verlandungsmoores, auf dem ein Durchströmungsmoor aufwuchs. Das Moor wird überwiegend von an den Talflanken austretendem Grundwasser gespeist. Mit der Begradigung des Poischower Mühlenbaches begann um 1817 die Entwässerung des Moores. Der Mühlenbach entwässert die Niederung über die Stepenitz in die Ostsee.

Nutzungsgeschichte:
Um 1780 wurde das Gebiet als Gemeindeweide genutzt, wie auf der WIEBEKINGSCHEN KARTE von 1786 zu erkennen ist. Im Grundmoränenbereich, am „Krohnsberg“ und am „Sägeberg“, wurde ab dem 19. Jahrhundert Mergel abgebaut. Böschungskanten sind hier heute noch sichtbar. Der Mergelabbau erfolgte bis 1988. Den zum Brennen der Ziegel im Ringofen notwendigen Torf lieferte das Moor. Die dabei entstandenen Torfstiche sind heute weitgehend verlandet. Die Moorwiesen wurden bis etwa 1980 als Mähwiesen genutzt, dann aber aufgelassen. 1991 wurde die Wiesenmahd im Rahmen von Naturschutz-Pflegemaßnahmen wieder aufgenommen. Westlich der Ziegelei wurde Wiesenkalk abgebaut, so dass hier offene Wasserflächen entstanden.

Pflanzen- und Tierwelt:
In den ständig vernässten Flächen der ehemaligen Torfstiche im nörldichen Bereich des Gebietes treten Sumpf-Blutauge, Schwarzschopf-Segge, Zungen-Hahnenfuß, Fieberklee und Sumpf-Läusekraut auf [280/5]. Bemerkenswert sind die großen, Kalk- und quellige Standorte anzeigenden Bestände von Stumpfblütiger Binse. Hervorzuheben ist weiterhin das Vorkommen von seltenen Orchideen wie Sumpf-Glanzkraut, Sumpf-Sitter, Steifblättrigem Knabenkraut und Breitblättrigem Knabenkraut. Als typische, kalkanzeigende Moosarten konnten Campylium elodes, C. polygamum und Calliergon giganteum nachgewiesen werden [280/5].
Die nicht ausgetorften, beweideten Moorflächen beherbergen als Besonderheiten die Gemeine Natternzunge, den Großen Klappertopf sowie Zittergras und Teufelsabbiss [280/4][280/3]. Östlich der Ziegelei, am Rande der Torfstiche, treten Schilfröhrichte auf, während sich südlich der Straße Weidengebüsche ausbreiten. In den ehemaligen Wiesenkalkstichen westlich der Ziegelei gedeiht eine Laichkraut-Tauchblattflur mit dem Gemeinen Wasserschlauch. In den Mergelgruben im Südteil des Gebietes siedelten sich Arten der Kalksümpfe und Niedermoore, wie Sumpf-Sitter und die Moose Calliergonella cuspidata sowie Drepanocladus polycarpus, an. Größere Teile der Mergelgruben werden von staudenreichen Trockenbrachen mit Dominanzvorkommen von Rainfarn und Bitterkraut eingenommen. Auf den nach Tonabbau entstandenen, wechselfeuchten und basiphilen Halbtrockenrasen sind die Vorkommen von Purgier-Lein und Echtem Tausendgüldenkraut zu erwähnen.
In den Mergelgruben mit ihren Röhrichten und Brachen brüten unter anderem Sperbergrasmücke, Drosselrohrsänger, Rohrweihe, Beutelmeise und Zwergtaucher. Die ausgedehnten Röhrichte und Feuchtgebüsche im Moor sind Lebensraum für Rohrsängerarten und die Weidenmeise. Typische Tagfalter des Naturschutzgebietes sind Mädesüß-Scheckenfalter, Blutströpfchen-Widderchen, Schwalbenschwanz und Faulbaum-Bläuling. Aus der Gruppe der Amphibien sind Rotbauchunke und Laubfrosch zu nennen, bei den Nachtfaltern sind Coenobia rufa, Lacanobia splendens, Cyclophora pendularia oder Acronicta strigosa bemerkenswert [280/2][280/5]. In den Staudenfluren der Mergelgruben sind die beiden seltenen Heuschreckenarten Gestreifte Zartschrecke und Säbel-Dornschrecke gefunden worden.

Gebietszustand und Entwicklungsziel:
Der Zustand des Gebietes ist gut. Die ehemaligen Torfstiche können sich ungestört entwickeln. Um konkurrenzschwachen, kalkliebenden Pflanzenarten, darunter mehrere Orchideenarten, die Existenz zu ermöglichen, erfolgt in feuchten Teilen des Moores mehrfach jährlich eine Mahd. Das übrige Grünland wird vorwiegend extensiv bewirtschaftet.

Öffentliche Nutzung:
Das Schutzgebiet ist auf den vorhandenen öffentlichen Wegen begehbar. Bei der alten Ziegelei befindet sich eine Informationstafel.

Literatur:
[2]
Hoppe, H., Kallies, A. & H. Wegner (1994): Ein Beitrag zur Noctuiden-Fauna von Westmecklenburg; Entomologische Nachrichten und Berichte 39: 95-107
[3]
Kergel, K.; M.Bauer & G. Uhle (1994): Beiträge zur Flora des Kreises Grevesmühlen; Botanischer Rundbrief für Mecklenburg-Vorpommern 26: 55-62
[4]
Klemm, C.-L. (1975): Vorläufige Flora des Kreises Grevesmühlen; Archiv der Freunde der Naturgeschichte Mecklenburgs XV
[5]
ibs (Ingenieurbüro Schwerin 1997): Naturschutzfachliches Rahmenkonzept NSG „Kalkflachmoor und Mergelgruben bei Degtow“; Gutachten im Auftrag des StAUN Schwerin, 114 S.

Autor
StAUN Schwerin

NSG Santower See

Größe:

240 ha

Schutzverordnung:

LVO zur einstweiligen Sicherung künftiger Naturschutzgebiete vom 07. 07. 1993.

Schutzzweck:

Sicherung und Erhalt eines als Hutung genutzten Basen-Zwischenmoores auf einer Seeterrasse sowie Lebensgemeinschaften gefährdeter und seltener Tier- und Pflanzenarten; Schutz der Seeniederung als überregional bedeutsamer Brut- und Rastplatz für eine Vielzahl gefährdeter und geschützter Vogelarten.

Lage:

Der Santower See liegt etwa 2 km nordöstlich der Kreisstadt Grevesmühlen in einer Höhe von 36-43 m NN. Das Gebiet gehört zur Landschaftseinheit "Westliches Hügelland mit Stepenitz und Radegast" und grenzt an die Landschaftseinheit "Wismarbucht mit Insel Poel".

Geologie und Wasserhaushalt:

Der ca. 2 km² große See liegt etwa im Verlauf der NW-SE streichenden Pommerschen Haupteisrandlage, deren Höhenrücken im Bereich des Sees aussetzt. Die ovale Form des Sees und die flachen Ufer sprechen für eine Genese durch Toteis, d.h. von Moränenschutt bedecktes Toteis taute langsamer als seine Umgebung aus, so dass die Hohlform des Santower Sees entstehen konnte [269/6]. Der Santower See - ursprünglich ein Binnenentwässerungsgebiet ohne oberirdischen Abfluss - entwässerte nach dem Bau eines Abflussgrabens mit einer Wassermühle bei Santow im Mittelalter über den benachbarten Vielbecker See in Richtung Süden in die Stepenitz. Im Jahr 1710 wurde durch den Bau des Schleusgrabens, der den Santower See an den Tarnewitzer Bach anschloss, der Seespiegel um 2-3 m abgesenkt. Seither fließt das Wasser aus dem Einzugsgebiet des Sees über den Schleusgraben nach Norden in die Ostsee ab. Seit 1983 gelangt das aus dem Einzugsgebiet oberflächlich zufließende Wasser nicht mehr direkt in den See, sondern wird über einen Ringgraben in den Tarnewitzer Bach abgeleitet.

Nutzungsgeschichte:

Nach Absenken des Seespiegels entstanden ausgedehnte Wiesen und Weiden auf den trockengefallenen Seeterrassen und den anschließend verlandeten Flachwasserbereichen. Es erfolgte eine Nutzung als Weide, Hutung und Streuwiese. In den 1960er Jahren wurden allerdings die nassen Wiesen aufgelassen, die sich sehr schnell zu Röhrichten entwickelten, in die Weidengebüsche einwanderten. Teile der Feuchtwiesen wurden mit Grau-Erlen und Hybrid-Pappeln aufgeforstet. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden die aufgelassenen Flächen wieder teilweise in Grünland umgewandelt.

Pfanzen- und Tierwelt:

Die bis 200 m breiten Seeterrassen am Südufer werden von kalkbeeinflussten Kleinseggenrieden und Feuchtwiesen mit Schmalblättrigem Wollgras, Fieberklee, Sumpf-Läusekraut, Gemeinem Fettkraut, Sumpf-Sitter und Steifblättrigem Knabenkraut geprägt [269/5]. Für die Kleinseggenriede sind weiterhin Sumpf-Herzblatt, Teufelsabbiss, Gemeine Natternzunge, Floh- und Zweihäusige Segge und verschiedene Gelbseggen charakteristisch [269/3][269/4][269/5]. Neuerdings wächst hier auch Sumpf-Enzian, der erfolgreich etabliert werden konnte. Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, Abwässer der Ortslagen Warnow und Santow sowie der Eintrag von Vogelkot während der Zug- und Rastzeit haben dazu geführt, dass die Unterwasservegetation des ursprünglich meso- bis oligotrophen Sees fast vollständig verschwunden ist. Nur in den Gräben treten heute noch Pflanzenarten mesotropher Standorte wie der Gemeine Wasserschlauch auf. Auf den landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen im Uferbereich haben sich Erlen- und Birkenbruchwälder sowie Röhrichte entwickelt. Auf den Magerrasen im angrenzenden Mineralbodenbereich setzen sich beweidungsresistente Arten wie Golddistel, Kriechende Hauhechel, Stengellose Distel, Wiesen-Flockenblume und Wiesen-Schlüsselblume durch.

Die Schilfröhrichte bieten u.a. Graugans, Wasserralle und Schilfrohrsänger geeigneten Brutlebensraum. Tausende von Bläss- und Saatgänsen fallen im Herbst zur Nachtruhe auf dem See ein. Sie äsen auf den umliegenden Ackerflächen. Solange noch eisfreie Wasserflächen vorhanden sind, finden sich Schellente und Zwergsäger als Wintergäste ein. Auffällige Vertreter der Schmetterlingsfauna sind Aurorafalter und Damenbrett [269/2].

Gebietszustand und Entwicklungsziele:

Der Zustand der genutzten und ungenutzten Uferbereiche ist gut, während der Zustand des eutrophierten Santower Sees selbst nur befriedigend ist. Um auch hier wieder nährstoffärmere Verhältnisse zu erreichen, ist die Sanierung des Einzugsgebietes notwendig. Ein erster Schritt war der Anschluss der Ortslage Warnow an die zentrale Abwasserentsorgung. Durch Mahd und Gehölzentnahme soll ein Zustand hergestellt werden, der eine Beweidung ermöglicht. Dies ist bereits auf größeren Flächen am Südufer des Sees erfolgt. Damit können die Reste der historischen Nutzungsformen erhalten werden. Die Pflege dieser Uferbereiche soll fortgesetzt werden.

Öffentliche Nutzung:

Ein öffentlicher Weg führt um das Schutzgebiet herum. Von hier aus sind große Teile der Seeniederung zu überblicken. Südlich der Ortslagen Warnow und Santow (Landwehr) klären Schautafeln über die Besonderheiten des Gebietes auf [269/1].

Literatur:

[1]

Bauer, M., Hoppe, H. & R.-R. Strache (1995): Faltblatt NSG Santower See; Naturschutzbund Deutschland e.V., Kreisverband Grevesmühlen

[2]

Hoppe, H., Kallies, A. & H. Wegner (1994): Ein Beitrag zur Noctuiden-Fauna von Westmecklenburg; Entomologische Nachrichten und Berichte 39.

[3]

Kergel, K.; Bauer, M. & G. Uhle (1994): Beiträge zur Flora des Kreises Grevesmühlen; Botanischer Rundbrief für Mecklenburg-Vorpommern 26, 55-62.

[4]

Klemm, C.-L. (1975): Vorläufige Flora des Kreises Grevesmühlen; Archiv der Freunde der Naturgeschichte Mecklenburgs XV.

[5]

Voigtländer, U. (SALIX-Büro für Landschaftsplanung, 1996/1997): Pflege- und Entwicklungsplan für das NSG „Santower See“, Teil I-III; Gutachten im Auftrag des StAUN Schwerin.

[6] ?

Autor

StAUN Schwerin